Richtig bewerben in Irland (1): Der Lebenslauf

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Viele träumen von einer Zukunft auf der schönen grünen Insel, für manche ist das schon Realität geworden. Fakt ist aber: In den meisten Fällen wird man einen Job benötigen, um sich diesen Traum zu erfüllen. Die gute Nachricht dabei: Für Deutschsprachige gibt es derzeit wieder vermehrt Chancen, diesen zu bekommen. Es sind nicht immer Traumjobs, die sich da auftun, aber als Start in das neue Leben sind sie oft mehr als ausreichend.

Am Anfang des Weges zum ersten Job in Irland steht die Suche, meist via Internet. Hat man dann ein Angebot gefunden, das zu passen scheint, kommt der nächste, wohl wichtigste Schritt – die Übermittlung des Lebenslaufs.

Wie aber soll ein Lebenslauf (im Englischen CV – Curriculum vitae  – genannt) aussehen, damit er vom Sachbearbeiter in der Personalabteilung oder vom Recruiter nicht sofort  schubladiert wird? Irlandwoche versucht ein paar Tipps zu geben.

 1. Schulenglisch ist Pflicht

Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, die Realität beweist aber, dass es nicht immer so ist: Der Lebenslauf zur Bewerbung für einen Job in Irland muss in Englisch sein. Kein Recruiter wird ein Übersetzungsprogramm verwenden, auch wenn Deutsch eine der Jobvorgaben ist. Schulenglisch ist dringend anzuraten, Amerikanisierungen oder Umgangssprache werden nicht gerne gesehen.

2. Keep it short and sweet

CVs für eine Bewerbung in Irland sollten im Maximalfall zwei A4-Seiten umfassen, keinesfalls mehr. Die dritte Seite wird nur mehr selten gelesen. Dabei sollte man eine Standardschrift in normaler Schriftgröße (11 oder 12 pt.) verwenden – auf keinen Fall Zierschriften, auch von zu vielen Farben ist abzuraten.

Eine klare Struktur ist auch dringend notwendig. Auf keinen Fall sollten die 2 Seiten überladen wirken. Für den Job unwichtige Informationen kann man einfach weglassen. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist eine feine Sache, bei der Bewerbung als Versicherungssachbearbeiter aber nicht hilfreich.

3. Rechtschreibfehler vermeiden

Auch das sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. 54 Prozent der englischen Lebensläufe enthalten mindestens einen auffallenden Rechtschreibfehler. Es gibt sogar eine Statistik der häufigsten Fehler. Die 10 am meisten falsch geschriebenen Worte in CVs nachfolgend – copy und paste erlaubt:

Responsibility – Liaise – University – Experience – Speciality – Communication – Achievement – Management – Environment – Successful

4. Format zeigen

Bewerbungen sollte man immer elektronisch übermitteln, aber dabei das Format beachten. Man schickt seinen CV nicht als Fließtext in einer E-Mail oder als Powerpoint-Präsentation, sondern als Word-Dokument. Auch PDFs sind noch zulässig. Alles andere wird nicht gerne gesehen, und meist ungelesen archiviert. Hauptgrund dafür ist, dass alle großen Personalabteilungen und Recruiter Lebensläufe elektronisch archivieren und nach bestimmten Schlagwörtner durchsuchen. Deshalb wird eine Word-Datei bevorzugt.

5. Keiner will wissen, wie Du aussiehst

Bewerbungen in Irland legt man grundsätzlich kein Foto bei. Ohne Ausnahme. Okay, außer vielleicht, wenn man sich als Fotomodell bewirbt. Ebenso verpðnt sind jegliche politischen oder religiösen Referenzen. Personalabteilungen sind erpicht darauf, jeden Angriffspunkt für den Vorwurf von eventueller Diskriminierung aufgrund von religiöser oder politischer Einstellung oder Aussehen von vorn herein auszuschließen. Sollte man zum Interview ausgewählt werden, sitzt man seinem zukünftigen Arbeitgeber noch schnell genug in Person gegenüber.

6. Begleitbrief nicht vergessen

Neben dem maximal zweiseitigen tabellarischen Lebenslauf sollte auch unbedingt immer ein kurzer, aber formell gehaltener Begleitbrief (Cover Letter) begefügt werden. Hier sollte man in wenigen Absätzen beschreiben, wer man ist, und warum man für die Position geeignet ist. Dabei positiv, aber bei der Wahrheit bleiben. In der Anrede ist es von Vorteil, wenn man sich via Internet den Ansprechpartner sucht, und diese(n) direkt anspricht. Hat man keinen Ansprechpartner parat, raten wir zur (nicht wirklich geschlechtsneutralen) Anrede Dear SirsDear Ladies and Gentlemen ist verpönt.

7. Referenzen sind wichtig. Sehr wichtig.

Nahezu jeder Arbeitgeber wird sich mit den angegebenen Referenzen in Verbindung setzen. Diese müssen belegt und nachvollziehbar sein. Ohne Ansprechpartner, der über den Bewerber Auskunft gibt, ist es sehr schwierig, eine Stelle zu bekommen. Hierbei ist zu beachten, dass grundsätzlich nur Festnetznummern und Firmen-E-Mails akzeptiert werden. Die Gmail-Adresse des ehemaligen Arbeitgebers wird nicht zur Kenntnis genommen. Immer auch vorher mit den Referenzen sprechen – nichts wirkt schlechter als ein überraschter ehemaliger Chef, der von Irland aus angerufen wird. Im Lebenslauf genügt aber meistens der Satz “References are available upon request“. Wird man aber dann beim Interview danach gefragt, muss man sie parat haben. Arbeitszeugnisse etc. dem Lebenslauf bitte nicht beilegen, auch wenn sie noch so vorteilhaft geschrieben sind.

8. Der Aufbau des Lebenslaufs

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, viele davon sind auch im Internet genau detailliert. Wir raten dazu, den tabellarischen Lebenslauf wie folgt aufzubauen:

Sektion 1 – Kontaktdaten: Name, Adresse, Geburtstag, E-Mail, Familienstand. Nicht mehr. Der Twitter-Account oder persönliche Blog interessieren nicht. Schon beim Geburtsdatum scheiden sich die Geister. Während es manche vermeiden (Stichwort Altersdiskriminierung), raten führende Recruiter wie Manpower dazu, das Geburtsdatum anzugeben.

Sektion 2 – bisherige Jobs: Eine tabellarische Auflistung bisheriger Jobs, beginnend mit dem aktuellsten. Auch hier sollte man sich knapp und präzise halten. Das wichtigste ist, Lücken im Zeitablauf zu vermeiden. Diese können ein Ablehnungsgrund sein, zumindest aber muss man im Interview dann sehr genau die Auszeit erklären können. Ein paar Stichworte zu der Position können nicht schaden, aber auch hier ist eher zur Kürze zu raten.

Beispiel:
April 2012 – present: Key Account Manager XYZ AG. Responsible for Client Relationship and Blue Chip Clients
June 2009 – March 2012: Junior Account Manager ABC KG. Responsible for SME Relationships

April 1998 – March 2001: Traineeship Car Mechanic, 123 GmbH

Sektion 3 – Schulbildung: In ähnlicher Form wie oben, tabellarisch gehalten, und mit der letzen Ausbildung beginnend. Auch hier liegt in der Kürze die Würze. Notendurchschnitte oder ähnliches interessieren hier nicht. Die Volksschule ist die Elementary School, die nächste Stufe bezeichnet man als Secondary School. Mit dem Begriff Gymnasium kann ein irischer Recruiter meist nichts anfangen.

 Sektion 4 – “Special Skills”: Hier gibt man – wiederum in Tabellenform – alles an, was noch wichtig ist im Bezug auf die Bewerbung. Eventuelle Zusatzqualifikationen, Sprachen (mit Angabe von Qualität in Wort und Schrift), der Führerschein (falls zutreffend) – das alles kommt unter Special skills.

Sektion 5 – die wichtigen Nachsätze: Davon gibt es zwei. Im ersten Nachsatz gibt man an, ab wann man für die Position verfügbar wäre.

Beispiel:
I would be avalaible for an interview on short notice.
I would be available for this role immediately.

Im zweiten Nachsatz – wie schon oben besprochen – erinnert man daran, dass man natürlich jederzeit den Kontakt mit einem ehemaligen Arbeitgeber (oder besser zwei) herstellen kann, der das geschriebene belegt.

References are available on request.

So das wars vorerst mit unseren Tipps und Tricks zum fast perfekten Lebenslauf für eine irische Bewerbung. Wir wünschen viel Erfolg und freuen uns über Anregungen, Feedback und eventuelle Erfolgsberichte. Bei weiteren Fragen könnt ihr einfach unser Kontaktformular unten benutzen.

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