Ganz Europa war am vergangenen Wochenende zur Wahlurne aufgerufen, und wie erwartet sind bei weitem nicht alle diesem Beispiel gefolgt. Die Wahlbeteiligung ließ wie immer bei europaweiten Wahlen stark zu wünschen übrig, und stellenweise war das Wahlergebnis noch schlechter als die Stimmenanzahl. Auch in Irland wurde gewählt – und hier wird sogar noch mancherorts aus- und nachgezählt. Dennoch ist das Trendergebnis bekannt. Irland wählt die Opposition – ohne Rücksicht auf Verluste.

Joe Simmons, via Flickr.com, CC-BY
Joe Simmons, via Flickr.com, CC-BY

Das wählende Irland bewies an diesem Wochenende so Manches. Allem voran ein extremes Kurzzeitgedächtnis. Fianna Fail, die Chefarchitekten der Landespleite, die uns noch Generationen verfolgen wird, sind der große Gewinner. Die von Michael Martin eher passiv geführte Partei schaffte es sogar, eine ehemaligen Ministerin der Regierung Cowen zu einem Sitz zu verhelfen. Es wird schnell vergessen hierzulande.

Weiterer großer Gewinner des Wahlwochenendes ist die Sinn Fein. Jene Partei, die für vieles berühmt, und für manches berüchtigt ist. Eine ernstzunehmende Europapolitik hingegen kann man der Sinn Fein von keinem Blickwinkel aus zugestehen.

Darum geht es aber auch nicht. Irland wählte gegen die Regierung, gegen neue Steuern, gegen Wassergebühren und ‘die da oben’. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Regierungsparteien wurden abgestraft, die linke Labour ist nach diesem Wochenende de facto nicht mehr existent, tümmelt im mittleren einstelligen Bereich beim Wählerzuspruch. Schade, aber vorraussehbar. Wenn man konsequent Politik am Menschen vorbei macht, wird man irgendwann das Negativergebnis einfahren, dass man verdient. Außer eben man heißt Fianna Fail.

Großen Zuspruch erfuhren auch die vielen unabhängigen Kandidaten – trotz ihrer fehlenden Hausmacht in Europa. Und Bewegungen wie die Austerity Alliance fuhren im Fahrtwasser der Property Tax ein achtbares Ergebnis ein.

An Europa und das große Ganze haben wohl nur die allerwenigsten gedacht, als sie zur Wahlurne schritten. Und so ist das Ergebnis auch zu bewerten. Irlandintern ein Erdrutsch, der wohl zumindest einem Parteiführer den Kopf kosten wird.  Zum Glück aber ist Irland nicht nach extrem rechts abgedriftet wie Frankreich oder Dänemark. Und das ist das Positive, dass man vom Wochenende mitnehmen kann.

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